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DEFAULT : Horror vor der Zahnbehandlung
31.05.2008 16:06 ( 1455 x gelesen )

Mit Verhaltenstherapie gegen den Angstkreislauf

Für so manchen gehört der Besuch beim Zahnarzt zu den lästigen Pflichten, denen man von Zeit zu Zeit und manchmal auch notgedrungen nachkommen muss. Für einige Menschen aber ist schon der bloße Gedanke an den Zahnarztstuhl oder den Geruch in der Praxis der reinste Horror. Menschen mit Zahnbehandlungsangst halten Zahnschmerzen oft jahrelang aus, versuchen sie vor anderen zu verbergen und bekämpfen sie mit Schmerzmitteln. Wenn sich der Zustand der Zähne weiter verschlechtert, wird die Hürde, zum Zahnarzt zu gehen oder überhaupt nur einen Termin auszumachen, noch höher und ein Teufelskreis beginnt - das müsste jedoch nicht sein. "Mit einer Verhaltenstherapie und in Zusammenarbeit mit geschulten Zahnärzten können wir heute die Dentalphobie sehr gut behandeln", sagt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hiller vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. "Auch, wenn sie in Kombination mit anderen Problemen auftritt." Einer Studie zufolge, ist für Menschen mit einer sogenannten Blut-, Spritzen und Verletzungsphobie die Angst vor dem Zahnarzt besonders groß.



In Deutschland leben laut Schätzungen rund 12 Millionen Menschen unter Dentalphobie, wie die Zahnbehandlungsangst auch genannt wird. Sie gehen entweder gar nicht oder nur mit extrem großer Angst zum Zahnarzt. Viele von ihnen haben bis zum ersten Besuch bei einem Arzt oder einer therapeutischen Praxis einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, der von Rückzug und gesellschaftlicher Isolation, Verheimlichungen vor der Familie, Ängsten im Beruf bis hin zu Selbstmordgedanken geprägt sein kann. Auch zahnarzterprobten Patienten steht beim Bohren, Schleifen und Spritzen schon mal der Schweiß auf der Stirn. Für Dentalphobiker kann bereits der Griff zum Telefon, um einen Arzttermin auszumachen, eine unüberwindliche Hürde sein. Das Vermeidungsverhalten mündet oft in einen Angstkreislauf, der dazu führt, dass Patienten zehn, gar zwanzig Jahre lang keinen Zahnarzt aufsuchen und die ständigen Zahnschmerzen mit Tabletten oder Alkohol bekämpfen.

Aus früheren Untersuchungen in Bochum ist bekannt, dass junge Leute mehr Angst haben vor dem Zahnarzt als ältere und Frauen mehr als Männer, wobei meist ein früheres schmerzhaftes Erlebnis beim Zahnarzt die Ursache dafür ist. In ungefähr einem Viertel der Fälle geht die Zahnbehandlungsangst auch mit der Angst vor Spritzen einher, wie eine Diplomarbeit von Maria Weigel an der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie des Psychologischen Instituts in Mainz zeigte. Menschen mit einer Blut-, Spritzen- und Verletzungsphobie empfinden die angstauslösenden Reize der Zahnbehandlungsangst noch stärker als andere Dentalphobiker. Bei der Studie wurden 132 Frauen und 68 Männer zwischen 18 und 80 Jahren befragt. 25 bis 30 Prozent dieser Befragten, so zeigte sich, konnten den Zahnarzt nicht angstfrei besuchen.

Mit Hilfe einer Verhaltenstherapie kann die Angst überwunden und der Kreislauf aus Vermeidungsverhalten und immer größeren Zahnproblemen durchbrochen werden. Der Patient oder die Patientin geht dabei zunächst gemeinsam mit dem Therapeuten der Frage nach, wie die Zahnbehandlungsangst entstanden ist und aufrechterhalten wurde. "Am Anfang steht eine genaue Anamnese und Verhaltensanalyse", erklärt Hiller. "Wann war der Patient zuletzt beim Zahnarzt? Wie hat er das erlebt? Welches Vermeidungsverhalten zeigt er? Was stört ihn beim Zahnarztbesuch besonders?" Anhand der Antworten stellt der Therapeut eine Angsthierarchie auf, an der die verhaltenstherapeutische Behandlung ansetzt: Der Patient wird nach und nach mit verschiedenen angstauslösenden Situationen konfrontiert, wie dem Betrachten und später dem Berühren eines Zahnarztbesteckes, und lernt so, sich der Angst auszusetzen. Ist der Patient dazu bereit, folgt der Gang in die Zahnklinik, zuerst vielleicht nur als Zuschauer und später dann zur eigenen Behandlung - mit Erfolg, wie die Fälle an der Poliklinischen Institutsambulanz der Universität Mainz zeigten.

© Prof. Dr. Wolfgang Hiller, Psychologisches Institut, hiller@uni-mainz.de


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